Berlin (EAST SEA) Donnerstag, Januar 27th, 2022 / 14:15

Taiwan: Das harte Training der Eliteeinheit ARP

Nichts für schwache Nerven: Die Aufnahme in die Eliteeinheit der taiwanesischen Marine (ARP) ist ähnlich hart wie bei den Navy Seals der USA. Einblicke in die letzte Trainingswoche.

Schlafen auf Betonboden Insgesamt zehn Wochen dauert die Ausbildung zum Elitekämpfer bei der Marine in Taiwan. 31 Teilnehmer haben sich auf dieses Abenteuer eingelassen. Auf dem Gelände des Marinestützpunkts Zuoying im Süden Taiwans sind Körper und Geist zweieinhalb Monate im Daueralarmzustand. Eine Übung: Schlafen auf kalten Betonboden. Am Ende werden nur 15 Soldaten den Lehrgang erfolgreich beenden.

Kalte Dusche nach Drill im Meer Nachdem die Teilnehmer den ganzen Tag im Meer verbracht haben, werden sie mit kaltem Wasser abgespritzt. Erschöpft und zitternd stehen sie auf der Pier. Ziel des Bootcamps: Die Soldaten sollen sich den eisernen Willen antrainieren. Egal wie schwierig ihr Auftrag auch sein mag, die Loyalität gegenüber Kameraden und dem Militär soll am Ende unerschütterlich sein.

Kein Spaziergang im Sand Yu Guang-Cang nimmt an einer Trainings-Einheit am Strand teil, die nur auf den ersten Blick nach Workout aussieht. Die Soldaten müssen lange Märsche genauso über sich ergehen lassen wie stundenlange Übungen im Wasser. Die Ausbilder gelten als kompromisslos und hart. Pausen sind rar und kurz. Sie reichen oft nur für einen Toilettengang und einen Schluck Wasser.

Den Krieg spüren Ein Soldat der Eliteeinheit wird mit Camouflage angemalt, während er gegen die Müdigkeit kämpft. Alle Männer sind freiwillig hier – nicht wenige suchen die persönliche Herausforderung. Die Ausbildung soll die die Härte des Krieges simulieren. Im Ernstfall, so die Forderung der Armee-Führung, müssen die Männer funktionieren.

Starker Wille zählt Einen Großteil verbringen die Absolventen im Meer oder im Schwimmbad. Sie müssen lernen, über einen längeren Zeitraum die Luft anzuhalten, in voller Kampfausrüstung zu schwimmen und Strände vom Meer aus zu infiltrieren. Oft werden ihnen Hände und Füße dabei zusammengebunden. Don´t try this at home!

Stretching bis der Arzt kommt Nicht nur Kraft- und Ausdauer-Drills gehören zum Trainingsplan, auch hartes Stretching steht auf dem Programm. Dem 25 Jahre alten Ou Zhi-Xuan treiben die Übungen vor Schmerzen Tränen in die Augen. Wer den Ausbildern unter Schmerzen und in Erschöpfung widerspricht, muss den Lehrgang umgehend beenden.

Geschrei und Demütigung Trainiert wird natürlich auch im Kampfanzug. Beschimpfungen und das häufige Anbrüllen durch die Ausbilder der ARP-Eliteeinheit gehören zum Alltag der jungen Soldaten. Alle sechs Stunden habe sie eine einstündige Pause. In dieser Zeit müssen die Männer essen – unter anderem Knoblauchknollen, um ihr Immunsystem zu stärken – ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, auf die Toilette gehen und schlafen.

Straße zum Himmel Die letzte Aufgabe dieses harten Ausbildungskurses nennt sich „Straße zum Himmel“. Die Absolventen werden über einen Hindernis-Parcours gejagt. Mit nackter Haut müssen sie über harte Steine kriechen und Push-ups machen, obwohl alle von den Strapazen der vergangenen Wochen und dem Schlafentzug schon völlig erschöpft sind. „Ich habe keine Angst vor dem Tod“, sagt Fu Yu, 30.

Geschafft – im wahrsten Sinne Xu De-Yu läutet am Ende der Bootcamp-Einheit eine Glocke, um seine Zeit im ARP-Ausbildungslager offiziell zu beenden. Er hat es geschafft. Trainer Chen Shou-lih, 26, resümiert: „Natürlich werden wir niemanden zwingen, jeder ist freiwillig hier. Deshalb sind wir auch so streng mit ihnen.“ An die Soldaten gerichtet sagt er: „Wir werden euch nicht einfach durchwinken, nur weil ihr kommen wolltet.“

https://www.dw.com/de/taiwan-das-harte-training-der-eliteeinheit-arp/g-60555247

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